Was sind für Sie die wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Zukunft Ihres Unternehmens und der sächsischen Industrie?
Kai Mielenz: Bekanntlich braucht ein Stuhl mindestens 3 Beine, damit er nicht umfällt. Für das notwendige Wachstum von Unternehmen benötigen wir erstens verlässliche und planbare Investitionsbedingungen. Wir als EFW können nur investieren, wenn wir stabile Rahmenbedingungen auf viele Jahre hinaus vorfinden, denn unsere Produktlebenszyklen übersteigen 20 Jahre.
Die Sicherung von Fachkräften ist der zweite kritische Erfolgsfaktor, wofür wir ein effizientes und nachhaltig auf die Bedürfnisse der Industrie ausgelegtes Bildungssystem sowie die erfolgreiche Integration internationaler Talente benötigen. Drittens brauchen wir dringend wieder Vertrauen ins Unternehmertum, insbesondere auch durch die Sozialpartner. Das zusammen schafft Planungssicherheit, fördert die Produktivität und ist notwendig, um die Transformation gemeinsam im Sinne der Unternehmen und der Mitarbeitenden zu gestalten.
Der Dresdner Flughafen steht derzeit unter enormem Druck. Was würde die Situation Ihrer Meinung nach verbessern?
Kai Mielenz: Zunächst muss das Bewusstsein geschaffen werden, dass der Flughafen als zentrale Infrastruktur für die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Region sowie für die Existenz der EFW eine elementare Funktion hat und demzufolge auch in der Trägerschaft der öffentlichen Hand bleiben muss. Ich sehe große Chancen in der Erweiterung des heutigen Geschäftsmodells, über den reinen Passagierverkehrs hinaus. Der Flughafen kann sich
zu einem Wirtschaftsmotor für den Dresdner Norden entwickeln. Ich persönlich habe sehr großes Vertrauen in die eingeleitete Transformation durch das neue Dresdener Managementteam und würde mich freuen, wenn wir unsere stabile und verlässliche Partnerschaft in den nächsten Jahren weiter ausbauen können.
Die Landesregierung ist mit Reformversprechen gestartet, welche Themen sollten Ihrer Meinung nach vorrangig angegangen werden?
Kai Mielenz: Wir müssen in Sachsen auch in Zukunft die Möglichkeit haben, uns über eine solide Haushaltsführung wichtige strategische Investitionen zu leisten und gleichzeitig dem demografischen Wandel Rechnung zu tragen. Daher stehen für mich konkrete Maßnahmen wie eine Landesentwicklungsgesellschaft und die Steigerung der Effizienz der Verwaltung zur Eindämmung der Ausgaben ganz oben auf der Liste. Das Ganze muss durch eine tiefgreifende Digitalisierung flankiert werden. Hier kann der Freistaat enorme Potenziale heben und sich dadurch deutlich wettbewerbsfähiger aufstellen. Ich hoffe, dass alle Beteiligten den Mut haben, jetzt die notwendigen, wenn auch teilweise schmerzhaften Schritte einzuleiten, um die Konsolidierung des Haushaltes voranzutreiben.
Wie schaffen wir es, dass gerade die Wirtschaft wieder positiv in die Zukunft blickt?
Kai Mielenz: In erster Linie sollten wir uns alle auf das besinnen, was in den letzten 35 Jahren in Sachsen geleistet und bereits transformiert worden ist. Sachsen hat ein starkes industrielles Netzwerk, kurze Wege zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Politik sowie eine hohe Spezialisierung in Schlüsselbranchen. Diese Stärken müssen wir weiter gemeinsam ausbauen und uns den Herausforderungen der Gegenwart & Zukunft mit Mut und Zuversicht stellen – so wie in den letzten 35 Jahren!
Wir danken Herrn Mielenz für das Gespräch!
EFW wurde 1955 gegründet. Seither hat das Unternehmen mit seinem Vorgängerunternehmen (VEB Elbe Flugzeugwerft) einen grundlegenden Wandel gemeistert und die Luftfahrtgeschichte mitgeprägt.
Dabei hat das Team viele Umbrüche und Herausforderungen bewältigt: vom Mauerfall und der Wiedervereinigung Deutschlands über die globale Finanzkrise bis hin zu Auswirkungen der COVID-Pandemie auf die Luftfahrt. So hat es sich vom ersten deutschen Hersteller düsenbetriebener Passagierflugzeuge über 70 Jahre bis zum Weltmarktführer von Airbus Passagier-zu-Frachter-Umrüstungen (P2F) entwickelt.
Mit aktuell über 2.000 Mitarbeitenden und 7 globalen Standorten schlägt das Herz dabei weiter in Sachsen: der Hauptsitz sowie zentraler Standort für Airbus P2F-Umrüstungen liegt in Dresden, das Kompetenzzentrum für Verbundwerkstoffe ebenso, unterstützt von acosa in Kodersdorf. Sechs weitere Standorte rund um die Welt stärken die globale Präsenz.
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