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Energiepreispauschale anmelden - nicht vergessen!

Viele Unternehmen müssen noch im August die 300 Euro Energiepreispauschale für Mitarbeiter zusammen mit der Lohnsteuer anmelden. Wer den Termin verpasst, zahlt die Energiepreispauschale aus eigener Tasche. Ecovis-Steuerberater André Rogge in Dresden kennt die bürokratischen Details.

300 Euro zum Ausgleich der hohen Energiekosten

Mit dem Steuerentlastungsgesetz will die Regierung die hohen Energiekosten abfedern. Darin enthalten sind 300 Euro Energiepreispauschale. Auszahlen müssen Arbeitgeber die 300 Euro an ihre Arbeitnehmer in der Regel mit dem Septembergehalt. „Was sich einfach anhört, ist in der Praxis aufwendig“, fasst Steuerberater Andreas Islinger zusammen. „Wer jetzt im August nicht richtig handelt, kriegt die Energiepreispauschale nicht vom Finanzamt erstattet.“ Dies gilt zumindest für Unternehmen, die ihre Lohnsteuer-Anmeldung monatlich abgeben. Denn anzumelden ist die Energiepreispauschale bereits mit der Lohnsteuer-Anmeldung August 2022. Eine Ausnahme gilt für Arbeitgeber, die ihre Lohnsteuer-Anmeldung vierteljährlich abgeben. Diese Arbeitgeber können noch bis 10.10.2022 die Energiepreispauschale beantragen.

Der Aufwand ist erheblich

Doch damit nicht genug: In der Praxis müssen Arbeitgeber viele Details beachten:

  • Bei jedem Minijobber müssen Arbeitgeber nachfragen, ob es sich um das erste Dienstverhältnis – also den Hauptjob – handelt. Denn nur im ersten Dienstverhältnis dürfen Arbeitgeber die Energiepreispauschale auszahlen.
  • Bei Mitarbeitenden in Elternzeit muss der Arbeitgeber abfragen, ob sie Elterngeld beziehen. Denn nur bei Bezug von Elterngeld darf der Arbeitgeber die Pauschale noch auszahlen. Arbeitnehmer in Elternzeit ohne Elterngeldbezug gehen leer aus.
  • Arbeitgeber, die eine jährliche Lohnsteuer-Anmeldung abgeben, haben ein Wahlrecht: Sie müssen die Energiepreispauschale nicht auszahlen, aber sie können.

Energiepreispauschale auch für Unternehmer

Unternehmerinnen und Unternehmer bekommen die Energiepauschale ebenfalls. Dazu setzt das Finanzamt die Einkommensteuer-Vorauszahlungsbescheide um 300 Euro herab. Die Finanzverwaltung verschickt im August automatisch korrigierte Bescheide. Selbstständige müssen nichts weiter unternehmen. Unternehmer zahlen zwar jetzt 300 Euro weniger Einkommensteuer-Vorauszahlungen, sollten aber beachten, dass sie die 300 Euro in der Steuererklärung für 2022 noch versteuern müssen.

Wer bekommt die Energiepreispauschale?

Arbeitnehmer erhalten unter den folgenden Voraussetzungen die Energiepreispauschale vom Arbeitgeber ausgezahlt:

  • Arbeitnehmer sind unbeschränkt steuerpflichtig, das heißt, sie haben ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland.
  • Es besteht am 01.09.2022 ein Arbeitsverhältnis.
  • Der Arbeitslohn wird mit Steuerklasse I bis V abgerechnet oder es liegt ein pauschal besteuerter Minijob vor und der Minijobber hat bestätigt, dass es sich um sein erstes Dienstverhältnis handelt.
  • Ihr Arbeitgeber gibt eine Lohnsteuer-Anmeldung ab und macht nicht von seinem Wahlrecht bei jährlicher Lohnsteuer-Anmeldung Gebrauch.

Wer bekommt keine Energiepreispauschale?

Alle Arbeitnehmer, die die genannten Voraussetzungen nicht erfüllen, gehen erst einmal leer aus. Arbeitgeber dürfen dann die Energiepreispauschale nicht auszahlen. In den meisten Fällen kann aber die Energiepreispauschale über die Steuererklärung beantragt werden.

Folgende Personenkreise bekommen aber weder über einen Arbeitgeber noch über die Steuererklärung eine Auszahlung:

  • Rentner ohne Nebenjob.
  • Ausländische Arbeitnehmer ohne Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland.
  • Personen, die 2022 keine Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbstständiger Tätigkeit und aktiver Arbeitnehmertätigkeit haben.

Andere Personen bekommen keine Auszahlung über den Arbeitgeber, können die Energiepreispauschale aber über die Steuererklärung erhalten. Dazu gehören beispielsweise:

  • Pauschal besteuerte kurzfristig Beschäftigte.
  • Arbeitnehmer, deren Arbeitgeber keine Lohnsteuer-Anmeldung abgibt oder bei jährlicher Lohnsteuer-Anmeldung auf die Auszahlung verzichtet hat.
  • Arbeitnehmer, die am 01.09.2022 kein Arbeitsverhältnis haben. Beispielsweise, wenn ein Arbeitnehmer am 01.09.2022 arbeitslos ist und erst am 05.09.2022 wieder zu arbeiten beginnt.

Finanzkommunikation – Wie überzeuge ich die Bankerin oder den Banker?

von Rainer Priglmeier

Nachdem in der Corona-Pandemie die Kreditnachfrage von KMUs auf einen Tiefpunkt lag, führen jetzt wieder mehr als ein Fünftel der Mittelständler Kreditverhandlungen mit Banken laut einer Umfrage des KfW-ifo-Instituts. Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen
und politischen Unsicherheiten wird jedoch eine Verschlechterung der Konjunktur erwartet, was in weiten Teilen der Firmenlandschaft einen Rückgang der Ratingnoten nach sich zieht.

Das bedeutet: Die Kreditgeber werden die Messlatte für positive Kreditentscheidungen noch höher legen als bisher.

Die Verhandlungsmacht der Unternehmer gegenüber den Kreditgebern ist deshalb wichtiger als je zuvor und kann entscheidend bei der Kreditvergabe sein. Es zeigt sich immer wieder, dass mittelständische Unternehmen mit mittleren oder nur ausreichenden
Bonitäten Schwierigkeiten haben, eine Finanzierung für Betriebsmittel und Investitionen zu erhalten. Deshalb ist es wichtig, sich auf eine veränderte Finanzkommunikation einzustellen.


Die Schritte zu einer guten Bankenkommunikation haben wir Ihnen in folgender Tabelle zusammengefasst.

Regelmäßige und
ehrliche Kommunikation

Bauen Sie eine vertrauensvolle Kundenbeziehung auf.
Regelmäßige Gespräche bauen persönliche
Beziehungen auf

Vorbereitung auf das
Gesprächsumfeld

Eine Abstimmung über die benötigten Unterlagen
vorab und Vorbereitung auf kritische Themen sind
wichtig

Kompetenz und
Zukunftsfähigkeit

Eine Überziehung der Kreditlinie ist zu verhindern.
Melden Sie sich daher frühzeitig bei der Bank, um
mögliche Änderungen beim Kontokorrentkredit
vornehmen zu können.
• Nach erfolgten Tilgungen können oft Sicherheiten
zurückgegeben werden.
• Planungen für eine zukünftige Finanzstrategie sind
wichtig.
• Bei wichtigen Investitionen kann auch Eigenkapital
in Anspruch genommen werden.
• Regelmäßige und gleichartige Unterlagen für den
Finanzpartner sind eine gute Basis, um Kompetenz
zu zeigen.

Finanzierungs-
alternativen schaffen

Informieren Sie sich über alternative
Finanzierungsformen.
• Finanzdienstleister und Vermittlungsplattformen
sowie Unternehmensberater können dazu Hilfe leisten


Hinweis:

Diese Praxishinweise können eine individuelle Beratung zur
Bankenkommunikation nicht ersetzen.

Welche Angaben eine Rechnung enthalten muss

Unternehmerinnen und Unternehmer schreiben Rechnungen und bekommen Rechnungen. Aber welche Details müssen in einer Rechnung zwingend aufgeführt sein? Und warum ist das für Absender und Empfänger so wichtig? Das erfahren Sie in unserer Broschüre „Die perfekte Rechnung“.

Wann ist eine Rechnung korrekt?

Eine Rechnung ist richtig und ordnungsgemäß, wenn sie alle gesetzlichen Angaben enthält. Dazu gehören beispielsweise der Namen des Lieferanten und des Leistungsempfängers, eine fortlaufende Rechnungsnummer, das Leistungsdatum oder die Steuernummer oder Umsatzsteueridentifikationsnummer des Lieferanten.

Eine ordnungsgemäße Rechnung ist aus Sicht des Empfängers wichtig, damit er unter den persönlichen Voraussetzungen den Vorsteuerabzug geltend machen kann. Außerdem vermeidet eine von Anfang an richtige Rechnungsstellung Rückfragen und Streitigkeiten mit dem Empfänger – und Ärger mit dem Finanzamt.

Sie möchten mehr darüber wissen, wie eine perfekte Rechnung aussehen muss?

Welche Angaben im Einzelnen eine Rechnung enthalten muss, hängt vom jeweiligen Umsatzgeschäft ab. In der aktualisierten Ecovis-Broschüre „Die perfekte Rechnung“ ist genau dargestellt, wie Unternehmen Rechnungen schreiben und wie Rechnungen aussehen müssen, die sie bekommen.

Die Broschüre als PDF können Sie hier bestellen: Die perfekte Rechnung.

Verbundene Betriebe und Corona-Hilfe: Zählen für Fortgeschrittene

Autoren: von Mareen Hammelbeck

Ein Betrieb oder mehrere? Was im Steuerrecht gilt, gilt nicht zwangsweise auch im Beihilferecht. Das aber gibt den Ausschlag bei Corona-Hilfen.

Für Laien scheint es mitunter ein regelrechtes Ratespiel zu sein, wie und ob Unternehmen verbunden sind. Denn nicht immer fällt die Abgrenzung von Betrieben leicht. Gibt es eine gemeinsame Buchhaltung, aber getrennte Läden? Sind die Betriebe in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen tätig, tauschen aber Personal untereinander aus? Im Steuerrecht sind solche und weitere Umstände wichtig, um zu beurteilen, ob sich beispielsweise Gewinne und Verluste miteinander verrechnen lassen. So weit, so kompliziert.

Weniger staatliche Hilfe als erwartet

Mit den Beihilfen für Unternehmen, die unter der Corona-Pandemie gelitten haben, sind diese Regelungen jetzt noch einmal auf den Kopf gestellt. „Denn Beihilferecht ist EU-Recht und interessiert sich nicht für das deutsche Steuerrecht“, stellt Ecovis-Steuerberaterin Mareen Hammelbeck in Rostock klar.

Was bei der Steuer noch zwei Betriebe sind, muss für Subventionen nicht gelten. „Das bedeutet im Einzelfall auch, dass die Hilfen geringer ausfallen, als sich das der Mandant vielleicht gewünscht hätte“, sagt Hammelbeck. Das ist beispielsweise der Fall, wenn zwar ein Betrieb coronabedingt in Mitleidenschaft gezogen wurde, ein anderer, mit ihm verbundener Betrieb aber nicht.

Ein Beispiel

Musste ein Mandant etwa mit seinem Strandkiosk aufgrund der Reisebeschränkungen erhebliche Einbußen hinnehmen, hat aber ein weitgehend von der Krise unberührtes Blumengeschäft, das er auch als Einzelunternehmen betreibt, muss sein Steuerberater diese Betriebe bei der Antragstellung für Corona-Hilfen als ein Unternehmen betrachten. Die Folge: Die Einnahmen beider Betriebe sind zu konsolidieren, um zu sehen, ob das Unternehmen überhaupt hilfeberechtigt ist.

Komplizierter sind solche Fälle, in denen Betriebe mehrere Besitzer mit unterschiedlichen Beteiligungsverhältnissen und jeweils weiteren eigenen Betrieben und/oder Beteiligungen haben. Hier gab es in der Vergangenheit in einigen Fällen immer wieder Unsicherheiten, wie die Bestimmungen zu den Überbrückungshilfen auszulegen sind. „Nach zwei Jahren Pandemie und zahlreichen Anpassungen und Konkretisierungen durch das Wirtschaftsministerium sind aber inzwischen viele, wenn auch längst nicht alle Fragen geklärt“, sagt Ecovis-Steuerberaterin Magdalena Glück in Dingolfing und ergänzt: „Leider nicht immer zugunsten der Antragsteller.“

 

Checkliste zur Krisenprävention

Das aktuelle Weltgeschehen stellt viele Unternehmen vor große Herausforderungen. Welche Maßnahmen kann ich als Unternehmer schnell und mittelfristig umsetzten?

Unsere Checkliste verschafft Ihnen einen Überblick in der Krise.

 QR-Code zur Checkliste

Kurzfristige Liquidität: Drei alternative Finanzierungsmöglichkeiten für den Mittelstand

Für die Mittelstandsfinanzierung stehen den Unternehmen viele Möglichkeiten offen. Neben den klassischen Kredit
kann der Finanzierungsmix des Unternehmens auch durch Sale-and-lease-back, Factoring oder klassischem Leasing
ergänzt werden.

Sale-and-lease-back

Für kleine und mittlere Unternehmen kann Sale-and-leaseback eine Möglichkeit sein, die Liquidität zu steigern.
Hierbei werden betriebliche Anlagegegenstände, immaterielle Wirtschaftsgüter oder bestellte und noch nicht
gelieferte Wirtschaftsgüter an ein anderes Unternehmen veräußert und anschließend wieder zurück gemietet oder
geleast.

Factoring

Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine Forderungen aus Warenlieferungen oder Dienstleistungen
an ein Factoringunternehmen wie die Deutsche Factoring Bank, eine Tochtergesellschaft der Deutsche Leasing
Gruppe. Dadurch erhält das Unternehmen sein Geld früher und es steht damit sofort wieder Liquidität zur Verfügung.

Leasing

Klassisches Leasing ist nicht nur in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten eine attraktive Option, um neue
Liquiditätsspielräume zu schaffen. Durch Leasing können sich auch Unternehmen flexibel an den technologischen
Wandel anpassen, ohne jeweils teure Anschaffungskosten riskieren zu müssen.

Verlängerte Abgabefristen: Wann Sie jetzt Ihre Steuererklärungen abgeben müssen

Der Gesetzgeber bringt nun ein „Viertes Gesetz zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise“ (Viertes Corona-Steuerhilfegesetz) auf den Weg. Darin enthalten sind auch verlängerte Abgabefristen für Steuererklärungen. Die Verlängerung tritt nach Verkündung des Gesetzes im Bundesgesetzblatt in Kraft. Das Bundesfinanzministerium hat in einem Schreiben vom 01.04.2022 schonmal klargestellt, dass bis zum Inkrafttreten der Verlängerung die Abgabe nicht als verspätet gilt. Welche Fristen jetzt für wen gelten, das erklärt Nicole Berner, Steuerberaterin bei Ecovis in Halle und Leipzig.

Welche Fristen ändern sich jetzt?

Für die Abgabe aller Jahressteuererklärungen gelten künftig verlängerte Fristen. Nicole Berner, Steuerberaterin bei Ecovis in Halle und Leipzig, erklärt: „Das bedeutet: Unternehmerinnen und Unternehmer, aber auch Privatpersonen, haben vorübergehend etwas mehr Zeit bis zur Abgabe der Steuererklärung.“

Was gilt für Personen, die sich steuerlich beraten lassen?

Wer beispielsweise eine Einkommen-, Körperschaft- oder Gewerbesteuererklärung abgeben muss und sich dafür von einem Steuerberater beraten lässt, hat dafür jetzt zwei bis vier Monate mehr Zeit – je nach Veranlagungszeitraum.

Veranlagungszeitraum Bisherige Abgabefrist Neue Abgabefrist
2020 31. Mai 2022 31. August 2022
2021 Ende Februar 2023 30. Juni 2023
2022 Ende Februar 2024 30. April 2024

Was gilt für Personen, die ihre Steuererklärung selbst machen?

„Wer bei der Erstellung seiner Steuererklärungen auf die Mitwirkung eines Steuerberaters verzichtet, für den gelten schon immer verkürzte Fristen“, sagt Ecovis-Steuerberaterin Berner. Bisher war der 31. Juli des Folgejahres der Stichtag. Der Gesetzgeber gewährt auch hier eine Verlängerung, allerdings in geringerem Umfang.

Veranlagungszeitraum Bisherige Abgabefrist Neue Abgabefrist
2020 31. Juli 2021 31. Oktober 2021 (unverändert)
2021 31. Juli 2022 30. September 2022
2022 31. Juli 2023 31. August 2023

Was gilt darüber hinaus?

Die Verlängerung der Abgabefristen gilt nur vorübergehend. Ab dem Veranlagungszeitraum 2023 gelten wieder die ursprünglichen Fristen.

Tipp: Was sollten Sie jetzt tun?

  • Prüfen Sie, welche Fristen jetzt für Sie gelten.
  • Beginnen Sie rechtzeitig alle notwendigen Dokumente zu sammeln.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater – besonders, wenn Sie mehr Zeit für die Erstellung Ihrer Steuererklärungen benötigen.

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Steuerentlastungsgesetz 2022: Wieviel sich sparen lässt

Das Bundeskabinett hat am 16. März 2022 den Entwurf des Steuerentlastungsgesetzes 2022 beschlossen. Der Koalitionsausschuss hat sich am 23. Februar 2022 auf drei Maßnahmen geeinigt: höhere Entfernungspauschale, höherer Arbeitnehmer-Pauschbetrag und höherer Grundfreibetrag. „Das soll die hohen Energiekosten abfedern“, sagt Ecovis-Steuerberater Stefan Lange in Erfurt und rechnet vor, wie viel Ersparnis drin sein können.

Folgende steuerliche Entlastungsmaßnahmen sieht der Gesetzentwurf vor. Sie gelten dann rückwirkend zum 1. Januar 2022. Von den Entlastungen profitieren Arbeitnehmer wie angestellte GmbH-Geschäftsführer:

1 Anhebung der erweiterten Entfernungspauschale auf 38 Cent für Fernpendler

Vor allem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einer überdurchschnittlich langen Pendelstrecke zum Arbeitsplatz spüren die aktuell hohen Benzinkosten im Geldbeutel. Um dies bei der Steuererklärung etwas abzumildern, will die Ampelkoalition die erweiterte Pendlerpauschale ab dem 21ten Kilometer um drei Cent anheben.

2 Erhöhung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags auf 1.200 Euro

Der pauschale Abzugsbetrag für Werbungskosten, der sich ohne weitere Belege bei der Einkommensteuererklärung berücksichtigen lässt, steigt rückwirkend zum 1. Januar 2022 um 200 Euro. Dadurch können auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitieren, die bisher – zum Beispiel aufgrund eines kürzeren Arbeitswegs – weniger Werbungskosten abziehen konnten.

3 Anhebung des Grundfreibetrags für 2022 auf 10.347 Euro

Mit der Anhebung des Grundfreibetrags, der bisher bei 9.744 Euro liegt, sinkt der individuelle Steuersatz vor allem für kleine Gehälter spürbar. Denn erst der 10.348ste Euro unterliegt jetzt der Besteuerung. „Dies soll vor allem die gestiegenen Kosten für die Lebenshaltung ausgleichen“, sagt Ecovis-Steuerberater Stefan Lange in Erfurt.

Was der höhere Arbeitnehmer-Pauschbetrag und der höhere Grundfreibetrag bringen – zwei Beispiele:

  zu versteuerndes Einkommen Steuerersparnis gegenüber 2021
1. Single-Haushalt 35.000 € 212 €
2. Familie 50.000 € 378 €

Ein Single-Haushalt mit 35.000 Euro zu versteuerndem Einkommen profitiert im Vergleich zu 2021 von einer Steuerersparnis von 212 Euro.

Eine Familie mit 50.000 Euro zu versteuerndem Einkommen profitiert im Vergleich zu 2021 von 378 Euro Steuerersparnis, wenn die Steuererklärung für das Jahr 2022 vom Finanzamt veranlagt wird.

Wann das Gesetz durch das Parlament und den Bundesrat beschlossen wird, steht noch nicht fest. „Wir gehen davon aus, dass das Gesetz noch im ersten Halbjahr rechtskräftig wird“, sagt Stefan Lange.

50-Euro-Sachbezug: Welche Voraussetzungen für Gutscheine und Geldkarten im Detail gelten

Das Bundesfinanzministerium hat seine Vorgaben zur 50-Euro-Sachbezugsgrenze am 15. März 2022 noch einmal konkretisiert. Ecovis-Steuerberater Dirk Nötzel in Halle kennt die Details, damit Tankgutscheine oder Gutscheine tatsächlich steuer- und sozialversicherungsfrei bleiben.

Der Gesetzgeber hat den Sachbezug im Jahr 2020 neu geregelt. Das Ziel: Nicht mehr alle Gutscheinkarten sollten als Sachlohn gelten, da viele Gutscheine bereits wie Bargeld eingesetzt wurden. „Danach war lange Zeit völlig unklar, was noch unter die inzwischen neue 50-Euro-Freigrenze fällt und was nicht“, berichtet Steuerberater Dirk Nötzel in Halle über die Verunsicherung von Arbeitgebern. Im April 2021 hat sich das Bundesfinanzministerium (BMF) dann endlich dazu geäußert, wann Gutscheine und Geldkarten steuer- und sozialversicherungsfrei bleiben können. Wir berichteten.

Unklare Bedingungen

Was klar war und blieb: Arbeitgeber müssen die Benefits zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewähren. „Wie der begrenzte Akzeptanzkreis oder das begrenzten Waren- und Dienstleistungsangebot allerdings in der Praxis auszusehen haben, blieb unklar“, kritisiert Steuerberater Nötzel. Das BMF hat in seinem Schreiben vom 15. März 2022 jetzt die Voraussetzungen für Sachlohn noch einmal genauer dargestellt.

Neues zum räumlich begrenzten Akzeptanzkreis

Für Einkaufs- und Dienstleistungsverbünde gilt eine räumliche Begrenzung. Vereinfacht zusammengefasst: Gutscheine oder Geldkarten können nur in einem Postleitzahlen-Bezirk und im unmittelbar räumlich angrenzenden zweistelligen Postleitzahlen-Bezirk eingelöst werden. Nur dann handelt es sich weiterhin um einen begünstigten Sachlohn. Einige große Gutscheinanbieter nutzen diese Regelung bereits.

Neues zum begrenzten Waren- und Dienstleistungsangebot

Damit die Waren- oder Dienstleistungspalette begrenzt ist, reicht es nicht, allein auf eine Händlerkategorie (zum Beispiel Merchant Category Code, MCC) abzustellen. Außerdem kann es schon schädlich sein, wenn auch nur in geringem Maß Waren oder Dienstleistungen einer anderen Palette im Angebot sind. „Das betrifft insbesondere Gutscheine von großen Onlinemarktplätzen. Ebay- oder Amazon-Gutscheine gelten nicht mehr als Sachlohn“, sagt Steuerberater Dirk Nötzel.

Ganz neu aufgenommen: Gutscheinportale

Das BMF hat sich zudem zu Gutscheinportalen geäußert. Gutscheine, mit denen man andere Gutscheine oder Geldkarten einlösen kann, gelten nur dann als Sachbezug, wenn sichergestellt ist, dass

  1. die Einlösung nur gegen andere Gutscheine oder Geldkarten erfolgen kann, die als Sachbezug gelten und
  2. wenn Arbeitnehmern das Guthaben erst nach Auswahl des anderen Gutscheins oder der anderen Geldkarte zur Verfügung steht (also Auswahl vor Freischaltung eines Gutscheincodes oder vor dem Aufladen des Guthabens auf die Geldkarte).

„Die Neuerungen im BMF-Schreiben helfen der Praxis wirklich weiter. Denn viele Gutscheinanbieter hatten genau auf solche Systeme umgestellt“, fasst Dirk Nötzel zusammen.

Sein Tipp:

„In unklaren Fällen empfehlen wir eine Lohnsteueranrufungsauskunft. Das Finanzamt prüft dann, ob es sich bei den Gutscheinen um Sach- oder Barlohn handelt. Der Arbeitgeber hat dann Rechtssicherheit und muss keine Nachzahlungen in der nächsten Betriebsprüfung fürchten.“

Broschüre Steuerfreie Arbeitgeberleistungen 2022

Sie interessieren sich für weitere Benefits für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Unsere Broschüre Steuerfreie Arbeitgeberleistungen können Sie hier als Broschüre oder PDF gegen Rechnung bestellen: Steuerfreie Arbeitgeberleistungen 2022 – Ecovis Deutschland

Die neue Grundsteuer – Was müssen Grundstückseigentümer jetzt tun?

Am 5. April erläuterte Ecovis Steuerberater, Herr Bernhard Rittler, in einem Onlineseminar kurz die anstehden Pflichten von Grundstückseigentümern im Hinblick auf die kommende Grundsteuererform.

Die Präsentation dazu finden Sie hier

Ihren Ecovisberater vor Ort finden Sie über folgenden Link: https://de.ecovis.com/standorte/

Video zum Seminar

Verfahrensdokumentation: Transparenz schaffen!

Wer Bilanzen oder Einnahmenüberschussrechnungen erstellt, muss die "Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff" (GoBD) beachten. Für Sie als Unternehmer gilt das, sobald Sie unternehmerische Prozesse per EDV abbilden und Ihre Buchführungs- und Aufbewahrungspflichten teilweise oder ganz in elektronischer Form erfüllen.

Ein wichtiger Teilbereich der GoBD ist die Verfahrensdokumentation, in der alle relevanten IT-Prozesse dargestellt werden müssen. Sie dient somit als Nachweis, dass die Anforderungen von Handelsgesetzbuch, Abgabenordnung und den Grundsätzen zur ordnungsmäßigen Buchführung erfüllt werden.

Hinweis: In der Verfahrensdokumentation wird der organisatorisch und technisch gewollte Prozess beschrieben. Sie ist praktisch das Handbuch zum Unternehmen und gibt einen Überblick über die steuerrelevanten Geschäftsprozesse, Daten und Ablagesysteme in einem Unternehmen.

Ein wichtiger Aspekt bei der Verfahrensdokumentation ist die digitale Buchhaltung, insbesondere die Überführung aller Belege in eine elektronische Version. Die Digitalisierung und anschließende Archivierung von Belegen, inklusive Vernichtung der Originalbelege, wird als "Ersetzendes Scannen" bezeichnet. Zusammen mit den anderen Prozessen in der Buchhaltung muss dieser Vorgang in der Verfahrensdokumentation genauestens dokumentiert werden. Durch die Möglichkeit, Belege mit dem Smartphone abzufotografieren und in einer Cloud zu speichern, ergeben sich neue Vorgaben für Unternehmen.

Im Falle einer Betriebsprüfung wird die Verfahrensdokumentation in der Regel von der Finanzverwaltung angefordert. Wird bei der Prüfung keine oder nur eine fehlerhafte Dokumentation vorgelegt, kann es passieren, dass die Prüfer die Buchführung verwerfen und die Besteuerungsgrundlagen schätzen. Dieses Vorgehen der Finanzverwaltung ist zwar umstritten, da es keine gesetzliche Pflicht zur Erstellung einer Verfahrensdokumentation gibt. Ist die Nachvollziehbarkeit und Nachprüfbarkeit allerdings durch eine fehlende oder unzureichende Verfahrensdokumentation entfallen, kann es wegen Verstoß gegen die GoBD zu einer Hinzuschätzung von bis zu 10 % des Jahresumsatzes auf den steuerpflichtigen Gewinn kommen. Eine Hinzuschätzung durch Betriebsprüfer bzw. die Finanzverwaltung ist hingegen nicht ohne weiteres möglich, wenn die Buchführung inhaltlich korrekt ist und trotz fehlender Verfahrensdokumentation keine Mängel bei der Nachvollziehbarkeit bestehen.

Hinweis: Die Erstellung einer korrekten Verfahrensdokumentation ist nicht nur sinnvoll, um bei einer Steuerprüfung abgesichert zu sein. Durch die ausführliche Dokumentation der Prozesse und Systeme werden auch Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten im Unternehmen klar definiert und verdeutlicht. Außerdem können die dokumentierten Abläufe hinsichtlich Effizienz und Effektivität geprüft und so Unternehmensprozesse optimiert werden.

Werbungskostenabzug und Vorteilsversteuerung bei der Bahncard

Viele Arbeitnehmer kaufen sich eine Bahncard und nutzen diese vorwiegend für Fahrten zur Arbeit oder für Dienstreisen. Ist dies der Fall, können sie die Kosten als Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung absetzen. Voraussetzung hierfür ist, dass die Kosten der Bahncard durch die Ersparnis bei den einzelnen Fahrten kompensiert werden. Der Kauf der Bahncard muss sich also finanziell lohnen. Ist diese Voraussetzung erfüllt, dürfen Angestellte die Bahncard auch für private Fahrten nutzen.

Stellt der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern eine Bahncard kostenfrei zur dienstlichen und privaten Nutzung zur Verfügung, muss für steuerliche Zwecke wie folgt unterschieden werden:

Vollamortisation: Wenn ein Arbeitnehmer aufgrund von Auswärtstätigkeiten, Dienstreisen oder Fahrten zur Arbeit für die Einzelfahrscheine genauso viel oder mehr zahlen müsste wie eine Bahncard kostet, dann stellt die Überlassung keinen steuerpflichtigen Arbeitslohn dar. In diesem Fall liegt es im überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers, dem Angestellten eine Bahncard zu finanzieren. Die Versteuerung wird selbst dann nicht vom Finanzamt verlangt, wenn die erwartete Vollamortisation der Bahncard aus unvorhersehbaren Gründen ausbleibt, beispielsweise weil der Angestellte längere Zeit krank ist oder aufgrund der Corona-Pandemie hauptsächlich im Homeoffice arbeitet. Eine nachträgliche Versteuerung der Bahncard ist in solchen Fällen also nicht erforderlich.

Teilamortisation: Erreicht die Ersparnis voraussichtlich nicht die Kosten der Bahncard, liegt der Kauf nicht im überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers. In diesem Fall ist die Bahncard ein geldwerter Vorteil und damit zunächst in voller Höhe steuerpflichtiger Arbeitslohn. Allerdings mindern die Kosten, die Angestellte bei dienstlichen Fahrten durch die Bahncard sparen, nachträglich den steuerpflichtigen Arbeitslohn.

Beispiel: Der Arbeitgeber hat dem Beschäftigten im zurückliegenden Steuerjahr eine Bahncard 100 im Wert von 4.027 EUR (2. Klasse, Stand Herbst 2021) überlassen. Die Einzelfahrscheine des Arbeitnehmers für Dienstreisen würden voraussichtlich nur 2.000 EUR kosten. Für den Weg zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte würden Einzeltickets im Wert von 1.500 EUR anfallen. Die Kosten für die Bahncard sind also höher als die voraussichtlichen Fahrscheinkosten von 3.500 EUR, so dass voraussichtlich nur eine Teilamortisation eintreten wird.

In diesem Beispiel ist zunächst einmal die Überlassung der Bahncard 100 für die Kosten der Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte in Höhe von 1.500 EUR steuerfrei. Der restliche Bahncard-Wert von 2.527 EUR gilt als steuerpflichtiger Arbeitslohn. Der Arbeitgeber kann den steuerpflichtigen Arbeitslohn aber in Höhe der für Dienstreisen eingesparten Kosten der Einzelfahrscheine von 2.000 EUR mindern.

Grundsteuerreform: Bitte Abgabe der Feststellungserklärung vormerken

Zum 01.01.2025 wird die neue Grundsteuer in Kraft treten - der Einheitswert als Berechnungsgrundlage wird dann seine Gültigkeit verlieren. Das ist noch eine Weile hin. Trotzdem sollten Sie als Immobilieneigentümer sich das Thema für dieses Jahr vormerken.

Hinweis: Im Bereich der sogenannten Grundsteuer A (land- und forstwirtschaftliches Vermögen/Betriebe der Land- und Forstwirtschaft) setzen die meisten Länder das Bundesmodell um. Im Bereich der sogenannten Grundsteuer B (Grundvermögen/Grundstücke) weichen das Saarland und Sachsen lediglich bei der Höhe der Steuermesszahlen von diesem Modell ab. Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen und Niedersachsen wenden hingegen ein eigenes Grundsteuermodell an.

Für alle der rund 36 Millionen sogenannter wirtschaftlicher Einheiten des Grundbesitzes müssen nun für Zwecke der Grundsteuer neue Bemessungsgrundlagen ermittelt werden. Hierzu werden in einer Hauptfeststellung auf den 01.01.2022 neue Grundsteuerwerte festgestellt, die der Grundsteuer dann ab dem Kalenderjahr 2025 zugrunde gelegt werden. Für Wohngrundstücke sind hierzu im Wesentlichen nur Angaben zur Lage des Grundstücks, zur Grundstücksfläche, zum Bodenrichtwert, zur Gebäudeart, zur Wohnfläche und zum Baujahr des Gebäudes notwendig. Grundstückseigentümer müssen diese Angaben in einer Feststellungserklärung an ihr Finanzamt übermitteln.

Hinweis: Auch wenn der 01.01.2022 schon vorbei ist - Sie haben nichts versäumt. Die Aufforderung zur Abgabe der Feststellungserklärung wird voraussichtlich Ende März 2022 durch öffentliche Bekanntmachung erfolgen. Die elektronisch abzugebenden Feststellungserklärungen können dann ab dem 01.07.2022 über die Onlineplattform ELSTER eingereicht werden. Die Abgabefrist läuft nach derzeitigem Stand bis zum 31.10.2022.

Anhand der Angaben in der Grundsteuererklärung berechnet das Finanzamt dann den Grundsteuerwert und stellt einen Grundsteuerwertbescheid aus. Außerdem berechnet es anhand einer gesetzlich festgeschriebenen Steuermesszahl den Grundsteuermessbetrag und stellt einen Grundsteuermessbescheid aus. Beide Bescheide sind keine Zahlungsaufforderungen, sondern nur die Grundlage für die Festsetzung der Grundsteuer durch die Stadt oder Gemeinde. Dazu multipliziert sie den Grundsteuermessbetrag mit dem Hebesatz, den sie festgelegt hat.